Cassablanka | 05.12.2025

Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
 

Proppenvoll! Kein freier Stuhl mehr, kaum noch Stehplätze. Eigentlich könnte man ja das ganze Jahr über die „Local Heroes“ auftreten lassen. Zu solchen Anlässen kommen Leute, die sonst normalerweise kaum den Weg in den Neuburger Birdland-Jazzclub finden und die dort regelmäßig auftretenden Weltstars links liegen lassen. Ein Konzert wie das des Salonorchesters Cassablanka ist deshalb weniger ein kulturelles, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Ereignis: Sehen und gesehen werden, oder Verwandten und Freunden auf der Bühne moralische Unterstützung zu geben. Was beileibe nichts über die Qualität der (Amateur-) Bands aussagt, die sich regelmäßig zum Jahresende unter dem Motto „Jazz aus der Region“ im Hofapothekenkeller zur Schau stellen. Eher etwas über das Publikum.

Mit der neunköpfigen Formation um ihren Mastermind Alexander Großnick haben am Freitagabend einige alte Bekannte wieder ihre Visitenkarte abgegeben. Man kennt sich und registriert deshalb auch mit großem Vergnügen den Fortschritt, den die Damen und Herren von Cassablanka von Jahr zu Jahr zur Schau stellen. Das Paradestück der Combo ist ihr üppiger, akkurater Bläsersatz, bei dem neben Tenorsaxofonist Großnick, Baritonsaxofonist Nils Niermann, Trompeter Gerhard Hörmann und Posaunist Christian Rehm mit Peter von der Grün am Altsaxofon einmal mehr ein leibhaftiger Landrat seine musischen Qualitäten unter Beweis stellt. Von der Grün wäre als Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Bayern beinahe selbst einmal professioneller Musiker geworden. Seine Soli, aber auch die von Alexander Großnick, überzeugen durch überraschende Wendungen und eine ganz erstaunliche technische Reife.

Es ist die Liebe zum Detail, die überzeugt, die Aneinanderreihung verschiedener Preziosen, bei denen man glaubt, erahnen zu können, wie oft dieser Break oder jener Tonartwechsel wohl geübt wurden, bis sich letztlich alles zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Und ja: Es swingt – nicht zuletzt dank der im Hintergrund agierenden Pianistin Brigitte Pettmesser, Bassistin Renate Hörmann und Schlagzeuger Florian Herrle, die man leider auf der kleinen Bühne so gut wie nicht zu Gesicht bekommt. Sylvia von der Grün, die Schwester des Landrats…, pardon, Altsaxofonisten, demonstriert ihre erstaunliche Intonationssicherheit bei Standards wie „How High The Moon“, „Polkadots And Moonbeams“, „Sʼ Wonderful“ oder „At Last“, während bei Cassablanka die Auswahl selten gespielter Evergreens wie „Just Friends“, A Nightingale Sang In Berkeley Square“ oder die adaptierte Beatles-Nummer „Here, There And Everywhere“ ins Ohr sticht. Eine reife, leidenschaftliche Performance dieser engagierten kleinen Big Band.