Cassablanka | 05.12.2025

Donaukurier | Karl Leitner
 

Wer im diesjährigen Jazzherbst in der Region nach Bands mit großer Besetzung oder gar nach richtigen Big Bands suchte, kam voll auf seine Kosten. Inner- und außerhalb der Ingol­städter Jazztage wie auch bei anderen Gelegenheiten traf man von Orchestern mit Weltruf bis zur Amateur- oder Nach­wuchsband auf großformatige Ensem­bles, die sich in erstaunlicher zeitlicher Dichte quasi die Klinke in die Hand ga­ben.

Nun, nachdem die Konzertsaison 2025 sich ihrem Ende zuneigt, treten im Bird­land Jazzclub „Cassablanka“ auf. Es ist nicht das erste Gastspiel des Nonetts im Gewölbe unter der ehemaligen Hofapo­theke, denn in der Reihe „jazz regional“, die in der Birdland-Philosophie ebenso eine Rolle spielt wie das Aufgebot an internationalen Stars, haben sie längst ihren festen Platz.

Alexander Großnick, Bandleader und Tenorsaxofonist, Peter von der Grün am Altsaxofon, Nils Niermann (Baritonsa­xofon), Gerhard Hörmann (Trompete), Christian Rehm (Posaune), Brigitte Pett­messer (Klavier), Renate Hörmann (Kontrabass), Florian Herrle (Schlag­zeug) und Silvia von der Grün (Gesang) haben gerade noch auf der kleinen Club-Bühne Platz und sind recht schnell auf Betriebstemperatur. Sie seien zwar alle ziemlich nervös, sagt Niermann, der durch das zweistündige Programm führt, aber davon merkt man nichts, im Gegen­teil, nach dem Einstieg mit Duke Elling­ton und Henry Mancini kommt der erste von etlichen noch folgenden Höhepunk­ten ausgerechnet bei dem tausendmal ge­hörten „What A Wonderful World“, das jeder kennt, die wenigsten vermutlich aber als Cha Cha, gefolgt von „Here, There And Everywhere“ von den Beat­les, George Gershwin’s „Fascinating Rhythm“ in besonderem Arrangement, Charlie Parker’s „Yardbird Suite“, dem weniger bekannten „A Nightingale Sang In Berkeley Square“, das ausnahmsweise nicht amerikanischen, sondern engli­schen Ursprungs ist, und ganz zum Schluss als zweite Zugabe schließlich „White Christmas“, das kurz vor Weih­nachten ganz einfach sein muss, auch wenn draußen kein Schnee liegt.

Die Band spielt nicht wie bei den Kon­zerten die Jahre davor in ständig wech­selnden, sondern diesmal von Beginn an in voller Besetzung durch, lediglich Sil­via von der Grün gönnt sich zwischen­durch Pausen, der Abwechslung wegen, und weil das bei den Big Bands früher nun mal so üblich war. Der Swing steht im Mittelpunkt, um ihn dreht sich alles an diesem Abend, der für die Band an diesem Ort natürlich ein echtes Heim­spiel ist. Die Reaktion auf Seiten des Pu­blikums ist dementsprechend und ginge es um Bowling, könnte man durchaus begeistert ausrufen: „Volltreffer! Alle Neune!“

Natürlich kann eine Band wie diese, de­ren Mitglieder allesamt anstrengenden Berufen nachgehen und für die ein Pro­bentermin, an dem auch wirklich alle Zeit haben, schon eine Herausforderung ist, nicht das Big Band-Genre neu erfin­den. Und sie will das auch nicht. Ihr Me­tier an diesem Abend sind im Gegensatz zu früheren Konzerten mit einem großen Anteil auch an reinem Old Time Jazz und Dixieland, in dieser Saison die Klas­siker aus den 1920er bis 1950er Jahren, die sie auf ihre Art in die Gegenwart transportiert. Die Band hat ihr Betäti­gungsfeld also klar umrissen und ist er­staunlich gut darin. Sehr gut sogar.