Wer im diesjährigen Jazzherbst in der Region nach Bands mit großer Besetzung oder gar nach richtigen Big Bands suchte, kam voll auf seine Kosten. Inner- und außerhalb der Ingolstädter Jazztage wie auch bei anderen Gelegenheiten traf man von Orchestern mit Weltruf bis zur Amateur- oder Nachwuchsband auf großformatige Ensembles, die sich in erstaunlicher zeitlicher Dichte quasi die Klinke in die Hand gaben.
Nun, nachdem die Konzertsaison 2025 sich ihrem Ende zuneigt, treten im Birdland Jazzclub „Cassablanka“ auf. Es ist nicht das erste Gastspiel des Nonetts im Gewölbe unter der ehemaligen Hofapotheke, denn in der Reihe „jazz regional“, die in der Birdland-Philosophie ebenso eine Rolle spielt wie das Aufgebot an internationalen Stars, haben sie längst ihren festen Platz.
Alexander Großnick, Bandleader und Tenorsaxofonist, Peter von der Grün am Altsaxofon, Nils Niermann (Baritonsaxofon), Gerhard Hörmann (Trompete), Christian Rehm (Posaune), Brigitte Pettmesser (Klavier), Renate Hörmann (Kontrabass), Florian Herrle (Schlagzeug) und Silvia von der Grün (Gesang) haben gerade noch auf der kleinen Club-Bühne Platz und sind recht schnell auf Betriebstemperatur. Sie seien zwar alle ziemlich nervös, sagt Niermann, der durch das zweistündige Programm führt, aber davon merkt man nichts, im Gegenteil, nach dem Einstieg mit Duke Ellington und Henry Mancini kommt der erste von etlichen noch folgenden Höhepunkten ausgerechnet bei dem tausendmal gehörten „What A Wonderful World“, das jeder kennt, die wenigsten vermutlich aber als Cha Cha, gefolgt von „Here, There And Everywhere“ von den Beatles, George Gershwin’s „Fascinating Rhythm“ in besonderem Arrangement, Charlie Parker’s „Yardbird Suite“, dem weniger bekannten „A Nightingale Sang In Berkeley Square“, das ausnahmsweise nicht amerikanischen, sondern englischen Ursprungs ist, und ganz zum Schluss als zweite Zugabe schließlich „White Christmas“, das kurz vor Weihnachten ganz einfach sein muss, auch wenn draußen kein Schnee liegt.
Die Band spielt nicht wie bei den Konzerten die Jahre davor in ständig wechselnden, sondern diesmal von Beginn an in voller Besetzung durch, lediglich Silvia von der Grün gönnt sich zwischendurch Pausen, der Abwechslung wegen, und weil das bei den Big Bands früher nun mal so üblich war. Der Swing steht im Mittelpunkt, um ihn dreht sich alles an diesem Abend, der für die Band an diesem Ort natürlich ein echtes Heimspiel ist. Die Reaktion auf Seiten des Publikums ist dementsprechend und ginge es um Bowling, könnte man durchaus begeistert ausrufen: „Volltreffer! Alle Neune!“
Natürlich kann eine Band wie diese, deren Mitglieder allesamt anstrengenden Berufen nachgehen und für die ein Probentermin, an dem auch wirklich alle Zeit haben, schon eine Herausforderung ist, nicht das Big Band-Genre neu erfinden. Und sie will das auch nicht. Ihr Metier an diesem Abend sind im Gegensatz zu früheren Konzerten mit einem großen Anteil auch an reinem Old Time Jazz und Dixieland, in dieser Saison die Klassiker aus den 1920er bis 1950er Jahren, die sie auf ihre Art in die Gegenwart transportiert. Die Band hat ihr Betätigungsfeld also klar umrissen und ist erstaunlich gut darin. Sehr gut sogar.

