Wawau Adler Gypsy Bop | 20.02.2026

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Schon Django Reinhardt hatte ja vor seinem allzu frühen Hinscheiden mit dem Bebop geliebäugelt, seinen Gypsy-Swing peu à peu erweitert auf die moderneren Ausdrucksweisen, wie sie vor allem mit dem Namen Charlie Parker verbunden sind. So ist es durchaus folgerichtig, ein Gypsy-Swing- und -String-Trio mit einem Altsaxophon anzureichern. Was der junge Saxophonist Jan Prax lustvoll nutzte, weniger als Sidekick denn als echter Dialogpartner in den Bund einzutreten.

Der Auftakt präsentiert klassisches Uptempo mit feinem Swing, mitreißendem Groove und blitzgeschwinden Soli, in den sich die Saitenhexerei Wawau Adlers und das heiße Saxophon von Jan Prax in Duetten, Duellen, Exkursen, Unisono-Parts und dem einen oder anderen humorvollen Schlagabtausch erst mal so richtig warm spielen.

Anekdote am Rand: Beide stammen aus Karlsruhe, sind sich aber, obwohl Adlers Frau und Prax’ Mutter sich schon länger kennen, erst kürzlich begegnet. Wawau Adler, längst ein alter Hase des Genres, beherrscht den Saitenzauber aus dem Effeff, gibt ihm in Melodieführung und Tongestaltung indes genau jene eigene Handschrift, die seine Musik so unverwechselbar macht, selbst wenn er zwischendrin mal nur kleine, feine Ornamente aus dem Ärmel schüttelt. Sein Spiel zeichnet sich einerseits durch die klassischen, swingenden Hochgeschwindigkeitsattacken aus, andererseits durch intensive Empfindsamkeit, die einen Song wie »Illusions«, seinerzeit von Udo Jürgens der unvergessenen Alexandra auf den Leib komponiert, so unter die Haut gehen lässt.

Dazu ist Wawau Adler selbst ein vertiabler Komponist, dessen Stücke allemal zu Standards des Genres taugen: »Jazzy Populaire« etwa, »Autumn Swing« oder »Kolibri«, allesamt mit dem Zeug zum Klassiker, halten dem Vergleich mit etwa Gershwins »The Man I Love« locker swingend Stand.

Gypsy-Swing at its best, mit jeder Menge feiner Sahnehäubchen obendrauf: »Here‘s That Rainy Day«. Jan Prax nutzt die Steilvorlagen zu den Bebop-typischen Feuergirlanden, wie sie Minton‘s Playhouse entzündeten – auch hier ist Geschwindigkeit keine Hexerei – erweist sich indes auch im Balladenspiel mit feinem Ansatz als sensibler Meister seines Fachs. Nicht zu vergessen natürlich die beiden Wiener Swing-Garanten Julian Wohlmuth an der Rhythmusgitarre und Michael Acker am Kontrabass, ohne deren locker durchlaufenden Groove die Solisten im luftleeren Raum entschweben würden.

Spätestens mit »Cherokee«, einem Referenzstück des Übergangs vom Swing zu Bop, war dem Konzert nichts hinzuzufügen.