Dutch Swing College Band – Audi Forum Ingolstadt | 15.01.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Es ist eindeutig eine Win-win-Situation. Jedesmal, wenn die Dutch Swing College Band, die große weltweite Institution des Oldtime Jazz, sich in Ingolstadt im Audi Forum die Ehre gibt, gönnen sich die Musiker nach der Anreise aus den Niederlanden am Vorabend des Konzerts erst einmal „eine halbe Bauernente und dazu dieses leckere bayerische Bier“, wie Leader, Kontrabassist und Band-Senior Adrie Braat mit sehnsüchtigem Blick kundtut. Das gehöre nun mal seit nunmehr zehn Jahren wie der auch diesmal wieder ausverkaufte Saal zum Ritual bei jedem Ingolstadt-Konzert des Sextetts, mit dem das Audi Forum und auch die Band selbst regelmäßig ein neues Konzertjahr eröffnen.

Im Gegenzug haben die hiesigen Fans der Musik von Louis Armstrong, Sidney Bechet, Kid Ory und Duke Ellington Gelegenheit, „Sweet Georgia Brown“, „The Bourbon Street Parade“, „Muscrat Ramble“ und all die anderen Klassiker ihrer Zeit zu hören, vorgetragen von einer der vermutlich besten und ganz sicher dienstältesten Bands innerhalb ihres Genres. Gegründet in Den Haag am 5. Mai 1945, dem Tage der Befreiung Hollands von den Nazis, hat die Band logischerweise etliche personelle Veränderungen hinter sich. Das derzeitige Line Up freilich ist schon ein ganz besonders hochkarätiges. Trompeter Keesjan Hoogeboom ist zugleich musikalischer Direktor der Band, David Lukás (Klarinette, Tenor- und Sopransaxofon) ist für den Großteil der Arrangements verantwortlich, Schlagzeuger Frits Landsbergen ist Humorbeauftragter und Posaunist Bert Boeren sowie Peter Kanters an Gitarre und Banjo komplettieren das Ensemble.

Nun laufen Musiker, deren Repertoire aus Stücken besteht, von denen die meisten zwischen 80 und 100 Jahre alt sind, immer Gefahr, dass sie irgendwann anfangen sich zu wiederholen. Was ja auch logisch wäre, nachdem der Großteil des Publikums jeden Abend ja nur darauf wartet, bis die ersten Takte von „Ice Cream“, „Petite Fleur“ oder „Tea For Two“ erklingen. Damit sich der damit irgendwann verbundene Ermüdungsfaktor erst gar nicht einstellt, wird ständig umarrangiert, das Programm neu zusammengestellt – reichhaltig genug ist der Fundus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ja – werden die solistischen Abläufe abgeändert und sogar ein paar „Fremdkörper“ in die Setlist eingebaut. Diesmal hat die Band Stücke ihrer Kollegen Chris Barber und Monty Sunshine im Gepäck, dazu den „Doghouse Blues“, eine Komposition des Bandgründers Peter Schilperoort und schließlich das brandneue „Klaaz“, ein Geschenk zum letztjährigen Bandjubiläum aus der Feder von Menno Daams. Dadurch ändert sich stilistisch zwar so gut wie nichts, wird aber ein weiteres Indiz offensichtlich für die ständige Weiterentwicklung der Band innerhalb ihres ganz speziellen Bereichs, den sie seit so vielen Jahren so maßgeblich mitbestimmt.

An welcher Position einer fiktiven, die letzten zehn Jahre umfassenden Qualitätsskala das Konzert von 2026 stehen müsste, ist aus dem Gedächtnis heraus nicht feststellbar und auch gar nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Band sich derzeit in extrem guter Verfassung befindet, deswegen auch einen hervorragenden Eindruck hinterlässt und allein schon deswegen ganz gewiss nicht zum letzten Male im Audi Forum zu Gast gewesen sein dürfte. Die Vermutung, dass bereits Vorbestellungen in Sachen Bauernente getätigt wurden, liegt also nahe.