Das Quartett um die aus der Elfenbeinküste stammende und in Freiburg im Breisgau lebende Sängerin Cécile Verny eröffnet seit nunmehr 19 Jahren regelmäßig im Januar die Konzertsaison im Birdland Jazzclub in Neuburg, seit den letzten 15 Jahren jeweils mit Konzerten an zwei aufeinander folgenden Abenden. Und weil das, was sich seit Jahren bewährt, von sich reden macht, geschieht das auch regelmäßig vor ausverkauftem Haus.
Auch die Auftritte des Jahres 2026 reihen sich nahtlos ein in diese unvergleichliche Serie mit ihrer Mischung aus Jazz, Pop, Chanson und Soul, vorgetragen von einer Sängerin, deren ausdrucksstarke, voluminöse und wandelbare Stimme immer wieder erneut für Aufsehen sorgt, und von einer Band, die seit Jahren mit absoluter Präzision läuft wie ein Schwarzwälder Uhrwerk und die kompositorischen Vorgaben der in ihr versammelten Komponisten auf geradezu makellose Weise umsetzt. Das sind neben Verny selbst Andreas Erchinger (Klavier, Keyboards, Synthesizer), Lars Bender (Schlagzeug, Perkussion) und Bernd Heitzler (E-Bass, Kontrabass).
Man mag freilich einwenden, von dem Quartett, das da auch an diesem ersten Abend – denn von ihm ist hier die Rede – wieder mal ein Lächeln in die Gesichter der Zuhörer zaubert und einmal mehr beweist, wie gut Jazz ist, wenn er auch Pop ist, und wie reif Pop klingen kann, wenn er aus dem Jazz kommt, im Grunde genommen seit dem 17. April 2019 nichts Neues mehr gehört hat. Damals kam das immer noch neueste Album „Of Moons And Dreams“ auf den Markt und aus ihm sowie aus „Fear And Faith“ von 2013 stammen immer noch fast alle Songs des Programms. Lediglich das fast wie versehentlich als Zugabe in die Setlist gerutschte „Grateful“ weist den Weg in die Zukunft.
Andererseits spiegelt dieser Einwand nur die halbe Wahrheit wider. Songs wie „Krakatoa Moon“, „My Steps Their Beat“ oder „The Wild Heart Of The Earth verlieren ja nicht an Qualität, nur weil man sie schon des Öfteren gehört hat. „No I.D.“ und „As Soon As They Have All Aligned“ bleiben auch beim x-ten Male echte Kracher und überdies wurden sie ja auch noch in eine alternative Verpackung gesteckt. Noch nie präsentierte die Band ihren Best Of-Mix aus oftmals erprobtem und bewährten Material so spannend wie in diesem Jahr. Die Songs durchliefen im Vorfeld anscheinend einen Umarbeitungsprozess, der neue Arrangements ebenso enthält wie die behutsame Neuausstattung bekannter Strukturen mit akribischen ausgewählten Sounds und vergleichsweise zahlreichen Soli. Die Band als Ganzes rückt in diesem Jahr eindeutig in den Mittelpunkt, Instrumentalteile bekommen verstärkt Gewicht, die Längen der einzelnen Songs nehmen zu, die der Balladen erwartungsgemäß weniger, dafür die der Up- und Midtempo-Nummern um so deutlicher.
„Aus Alt mach Neu“. Diese alte Floskel trifft ziemlich genau, um was es der Band derzeit anscheinend geht. Man bereitet ein neues Album vor, ist aber noch in der Planungsphase und noch nicht so weit, dessen neuen Songs öffentlich zu präsentieren. Was für ein Glück, wenn man in dieser Zeit des Übergangs über eine ganze Reihe von Bandklassikern verfügt, die auch und gerade in ihren Neubearbeitungen einen derart nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

