Joe Bawelino – Gige Brunner | 19.12.2025

Donaukurier | Karl Leitner
 

Dieser Konzerttermin im Birdland Jazzclub kurz vor Weih­nachten ist ein ganz besonderer. Seit man sich erinnern kann, ist er Gitarrenduos vorbehalten. Viele Jahre waren Helmut Nieberle und Helmut Kagerer im Gewöl­be unter der ehemaligen Hofapotheke zu Gast, bevor die Aufgabe, das Publikum des Clubs auf das Fest einzustimmen, dann kurzzeitig dem Duo mit Martin Müller und Alex Kroll und dem mit Paul Brändle und Andreas Dombert zufiel.

In diesem Jahr unterhalten Joe Baweli­no und Gige Brunner die Gäste mit einer ganzen Reihe von Standards und Klassi­kern des Jazz, von denen man die meis­ten begrüßt wie alte Freunde. „How High The Moon“, „There Will Be An­other You“, „Oh Lady Be Good“, „Mid­night In Vermont“ – man kennt sie, wenn nicht dem Namen nach, dann zumindest vom Hören, vielleicht nicht in Versionen, die auf die Bedürfnisse und Möglichkei­ten zweier Gitarren zugeschnitten sind, aber doch so gut, dass sie einem eigent­lich nichts wesentlich Neues mehr bie­ten. Und obwohl man sich eigentlich längst satt gehört haben müsste, tun sie doch gut so kurz vor dem Fest, wenn Traditionelles wieder an Bedeutung ge­winnt, die Lust auf ständig Neues zumin­dest kurzfristig etwas nachlässt, im Ide­alfall die Hektik abnimmt und man all­mählich zur Ruhe kommt.

Diese Situation nutzen Bawelino und Brunner aus, und zwar auf ebenso pro­fessionelle, charmante, humorvolle wie familiäre Weise. „Wir sind eigentlich eine Tanzkapelle“, sagt Brunner mit ei­nem Augenzwinkern, „und haben über­haupt keine Angst vor Gassenhauern, weil wir die großen Hits vergangener Tage ganz einfach lieben.“ Nicht wenige sind um die 100 Jahre alt – Fat’s Waller’s „Honeysuckle Rose“, „Whispering“ oder Ray Henderson’s „Bye Bye Blackbird“ zum Beispiel – und manche auch ziem­lich abgedroschen, aber sie passen ganz einfach in die jahreszeitliche Umgebung und in eine Situation, in der es nicht um musikalische Analysen geht sondern dar­um, mit ihnen zusammen ein paar schö­ne, entspannte Stunden zu genießen.

Die beiden Gitarristen haben natürlich Vorkehrungen getroffen, damit der Abend nicht eintönig oder vielleicht so­gar langweilig wird. Beide sind hervor­ragende Gitarristen, Bawelino baut im­mer wieder unerwartete Querschläger in seine Improvisationen ein, Brunner punktet als humorvoller Conferencier und ist der Lateinamerika-Spezialist an diesem Abend, integriert Luiz Bonfá und Antonio Carlos Jobim, Bossa Nova und Samba in die Setlist. Beide wechseln sich als Begleiter und Solisten ab, die Kommunikation innerhalb des Duos ist traumhaft sicher und bisweilen hat man den Eindruck, als säßen da nicht zwei Musiker, die insgesamt 12 Saiten bear­beiten, auf der Bühne, sondern ein gan­zes Ensemble.

Trotz all der Gelassenheit und der Aus­geglichenheit, die Musik und Musiker gleichermaßen ausstrahlen, trotz der Ruhe und der Entspanntheit, die über der Szenerie liegt und obwohl der Abend so gar nichts vordergründig Spektakuläres an sich hat, zeigen die altehrwürdigen Stücke Wirkung, denn drei Zugaben kommen selbst beim Birdland-Publikum selten vor. Man ist kritisch, aber man zeigt auch deutlich, wenn einem etwas gut gefällt. So wie das Konzert von Joe Bawelino und Gige Brunner im Beson­deren und die Birdland-Tradition vor­weihnachtlicher Gitarren-Duos im Allge­meinen.