Keys, Sax, Bass & Voice
Wasilesku – Zoelch – Schiekofer | 06.12.2025

Donaukurier | Karl Leitner
 

Es sind Namen, über die man immer wieder stolpert, wenn man sich in der Region in Sachen Jazz um­hört und umschaut. Pianist Oliver Wasi­lesku leitet die SwingIN Big Band, Kon­trabassist Uli Schiekofer kennt man un­ter anderem durch seine Zusammenar­beit mit Rudi Trögl und Altsaxofonist Christof Zoelch ist auch Teil der Stamm­band von Kerstin Schulz. Wenn diese drei sich zusammentun, darf man sich durchaus auf ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art einstellen.

Bereits bei seinem Gastspiel im ver­gangenen Jahr im Birdland Jazzclub be­geisterte das Trio sein Publikum, und auch diesmal räumt es im wieder einmal proppenvollen Gewölbe ab, und zwar mit neuem Programm und neuem Kon­zept. In der regionalen Jazzszene gibt es einige sehr gute Sängerinnen, bei den Sängern schaute es bislang in dieser Hin­sicht eher mau aus. Nun nicht mehr, denn Oliver Wasilesku entpuppt sich an diesem Abend nicht nur einmal mehr als erstklassiger Pianist, Arrangeur und Pro­grammgestalter, sondern auch als her-vorragender Vokalist.

Welch gelungene Überraschung! Sein Programm umfasst Stücke, die man mit Nat King Cole, Frank Sinatra oder auch Tony Bennett in Verbindung bringen kann, aber er kopiert die großen Namen nicht, ist weder Crooner noch Soulsän­ger, sondern schlüpft in die Rolle des Vermittlers. Absolut sicher in der Intona­tion, ausdrucksstark und auch risikofreu­dig verbindet er Jazzsongs der Ära zwi­schen 1932 und 1952, die zu ihrer Zeit selber Pop waren, mit dessen Ausdrucks­formen von heute. In seinen Versionen nähern sich Klassiker wie „I’ve Got You Under My Skin“, „How Deep Is The Ocean“ oder „The Way You Look To­night“ der aktuellen Spielweise des Jazz-Pop an, für die beispielsweise Leute wie Jon Regen in New York oder Paddy Mil­ner in London stehen. Wie jene ist er ein überragender Pianist, begleitet sich selbst, hat Erfahrung mit allen Formaten von der Big Band bis zur Soloperfor­mance, überrascht mit der Tragfähigkeit und der Qualität der Stimme die Zuhörer und zaubert ihnen gleichzeitig ein Lä­cheln ins Gesicht. Der Gesang, die von Wasilesku runderneuerten, teils komplett neu arrangierten Songs und die dadurch entstandenen Groove-Versionen etwa von „Old Devil Moon“ und „Pennies From Heaven“ sind das eine. Die Band setzt noch eins drauf.

Der Mann am Klavier und Uli Schieko­fer am Kontrabass sind an diesem Abend ein Traumpaar, unzertrennlich, eine kompakte Einheit. Beide genügen auch als Solisten höchsten Ansprüchen, ganz klar, aber ihre Tightness ist schon außer­gewöhnlich. Dazu kommen die coolen Soli, die Christof Zoelch seinem Saxo­fon entlockt. Sie spiegeln nicht nur per­fekt die Ära wieder, aus der die Stücke des Abends stammen, sondern sind in ih­rer Dramaturgie auch höchst geschickt strukturiert. Im Notfall würden Piano und Bass auch als Duo prächtig funktio­nieren, mit Zoelchs solistischen Kom­mentaren als Sahnehäubchen oben drauf wird die Sache zu einem echten Ereignis und das Trio zu einem Aushängeschild für die Region und auch darüber hinaus. Fehlt nur noch, dass Wasilesku beim nächsten Auftritt im Birdland auch noch eigene Stücke mitbrächte. Selber kompo­nieren? – Auch das wäre ihm zuzutrauen.