Libor Šmoldas NY Trio | 29.11.2025

Donaukurier | Karl Leitner
 

Libor Šmoldas gilt als führender Jazzgitarrist Tschechiens, unterhält seit über einem Jahrzehnt mit dem Kontrabassisten Jay Anderson und dem Schlagzeuger Adam Nussbaum sein NY Trio, mit dem er mittlerweile drei Alben veröffentlicht hat und in unregelmäßigen Zeitabständen immer wieder auftritt. So wie im Birdland Jazzclub in Neuburg. Grund für seine Tournee sind „Dusk“, das aktuelle Album des Trios, und dessen Stücke, die sich auf recht originelle Weise mit den verschiedenen tageszeitlich bedingten Stimmungen zwischen dem frühen Morgen und dem späten Abend beschäftigen.

Überraschenderweise spielt Šmoldas daraus aber nur zwei Exzerpte und geht über lange Strecken des Abends lieber den Weg der Risikovermeidung, indem er Standards interpretiert, oft und gerne verwendete, zigmal gehörte und dem Publikum hinlänglich bekannte Stücke, auf die sich alle Jazzer ohne große Diskus-sionen sofort verständigen können. Die anderen freilich sind die interessanteren. Šmoldas‘ „Grasshopper“ oder das für seinen Sohn geschriebene „For Robin“, der – dem Stück nach zu urteilen – ein recht aufgewecktes Kerlchen sein dürfte. Nachdem Nussbaum’s – der an diesem Abend im Birdland seinen 70. Geburtstag feiert – wunderschöner Blues mit dem Titel „Sure Would Baby“ verklungen ist, war’s das aber auch schon mit den Neuigkeiten des Tages für dieses Mal, denn der Rest besteht aus „Moon River“, „Long Ago And Far Away“, „Darn That Dream,“ „Stella by Starlight“ und ähnlichen Dauerbrennern, dessen Themen man sofort erkennt, wenn Šmoldas sie anspielt.

Nun gut, dann eben Standards, denkt man. Die klingen natürlich auch nach oftmaligem Gebrauch immer noch gut, sobald drei so erfahrene und versierte Musiker wie die des NY Trios sich ihrer annehmen. Šmoldas‘ sanfte, mühelose und melodische Herangehensweise tut gut und mit ihren Interpretationen holt die Band durchaus einiges aus den Vorlagen heraus. Auch wenn man nicht wirklich neue Erkenntnisse aus ihnen gewinnen kann, überzeugen die Versionen, die zwar entspannt sind, aber nie Gefahr laufen, langweilig zu werden, weil die Band auf eine abwechslungsreiche Struktur Wert legt und einen untrüglichen Sinn für dynamische Prozesse offenbart. Und dass darüber hinaus alles, was die drei Musiker – unabhängig von der Setlist – in handwerklicher Hinsicht auf die Bühne bringen, erstklassig sein würde, hatte man sich auch vor dem Konzert schon ausmalen können.

Am Ende des Abends stehen drei Zugaben. Vielleicht als Reaktion darauf, dass die Band und ihre Musik ganz einfach eine positive, angenehme Atmosphäre in das Birdland-Gewölbe zauberten, vielleicht deswegen, weil auf Nummer sicher gehen mitunter doch eher goutiert wird als Risikobereitschaft, vielleicht aber auch, weil Nussbaum’s Späße und gute Laune ihre Wirkung nicht verfehlen. Dennoch beschleicht einen nach dem Konzert das Gefühl, dass Šmoldas und seine Kollegen die Chance verpasst haben, ihre eigene Visitenkarte abzugeben mit mehr Stücken aus der eigenen Kreativwerkstatt. Standards interpretieren? Das machen andere auch, ob aus einer Notwendigkeit oder einer Verlegenheit heraus, sei dahin gestellt. Beim NY Trio kam die Entscheidung für diese Strategie relativ überraschend. Noch dazu, weil doch die Band über eigenes und noch dazu wirklich gutes Material verfügt.