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"Kulturarbeiter" Manfred Rehm |
| Von Reinhard Köchl Als der bekannte Posaunist Albert Mangelsdorff mit seiner Komposition "Danke, Hut ab!" all jenen ein Denkmal setzen wollte, "die für die Jazzmusik etwas auf die Beine gestellt haben, die sich aufopfern, in ihrer Freizeit Jazzclubs betreiben, Konzerte organisieren - ohne deren meist ehrenamtliche Tätigkeit es diese Szene wahrscheinlich garnicht gäbe", ahnte er kaum, dass er damit einem Geburtstagsgast das perfekte Geschenk in die Hand legen würde. Walter Schätzlein, rühriger wie sturmerprobter Macher des Nürnberger Jazz Ost-West-Festivals, verpackte Mangelsdorffs CD stilvoll und überreichte sie samt selbstgestalteter Urkunde einem ebenso rührigen wie sturmerprobten Leidensgenossen. "Wenn jemand eine solche Würdigung verdient, dann Du!", formulierte Schätzlein für seinen alten Freund Manfred Rehm, als dessen "Birdland"-Jazzclubs Neuburg 1998 auf vier Lebensjahrzehnte zurückblicken konnte und damit hinter Frankfurt und Nürnberg die drittälteste Institutionen dieser Art in Deutschland darstellt. Schon bei der Vereinsgründung 1958 war Manfred Rehm dabei, hielt in der Phase des Mitgliederschwunds das Fähnlein aufrecht und organisierte fast im Alleingang Konzerte. Die Kleinstadt-Gastronomen schubsten den ungeliebten Verein von Lokal zu Lokal, bis das "Birdland" schließlich Ende der 60er auf der Straße und im vorübergehenden Dämmerschlaf landete. Ein Zustand, den der Vermessungsbeamte erst 1985 mit der Wiedergründung in den Kellerräumen der "Schönen Aussicht" beenden konnte. Seine Devise: Durchhalten, Rückschläge als Herausforderungen begreifen. Etwa die trotz des Neubeginns unvermindert problematische Quartiersuche mit Zwischenstationen im "Cocodrillo" und in der "Kajüte", bei der andere wohl längst die Segel gestrichen hätten. Rehm blieb am Ball, bis ihm schließlich 1991 bei Renovierungsarbeiten an pfalzgräflichen Hofapotheke ein Gewölbe in die Hände fiel, um das die Neuburger inzwischen die gesamte Republik beneidet. Einmal pro Woche öffnet der Club seitdem von September bis Mai seine Pforten und weiß durch ein anspruchsvolles, traditionell gefärbtes Staraufgebot mit wohlerwogenen Ausreißern hin zur Moderne sowie einer eigenen, weltweit vertriebenen CD-Reihe ("Live At Birdland Neuburg") auf sich aufmerksam zu machen. "Inzwischen hält sich die Besucherresonanz auf einem erfreulich stabilen Level. Die Leute kommen aus dem gesamten süddeutschen Raum," berichtet der 58jährige. "Was man braucht, um zu überleben, ist ein langer Atem und die Bereitschaft, den steinigen Weg zu gehen." Der Club, respektive Rehm, wählte diesen Weg und schuf sich im Laufe der Zeit ein Polster, auf dem sich richtig gut Programm machen lässt. Stadt, Landkreis oder die Kulturstiftung der Deutschen Bank beteiligen sich mit großzügigen Unterstützungen, Sponsoren, wie der Neuburger Unternehmer und Jazzfan Fritz von Philipp, die sich persönlich an ihrem Mäzenatentum erfreuen, schießen den Löwenanteil der Kosten zu, der Verein ist obendrein schuldenfrei und mit einem ausgezeichneten Equipment (unter anderem einem Bösendorfer-Flügel) ausgestattet. Dennoch sieht sich der Idealist regelmäßig mit kurzzeitigen finanziellen Engpässen in fünfstelliger Höhe konfrontiert, die er aus seinem Privatvermögen überbrückt. "Es geht eben nicht anders", zuckt Rehm mit den Achseln. Immerhin führt er das "Birdland" nahezu im Alleingang. Das bringt jede Menge Stress und Ärger, aber auch viele unschätzbare Vorteile. "Ich kann flexibel reagieren, kümmere mich selbst um die Musiker und sehe zu, dass sie sich bei uns wohl fühlen." Seine Horrorvorstellung: eine Kommission, die basisdemokratisch über das Programm abstimmt. Aus diesem Grund akzeptiert Manfred Rehm den Beinamen "Jazz-Diktator" mit einem vielsagenden Grinsen. Der Erfolg gibt ihm schließlich recht. |